Beitrag und Fotos von Doritta Kolb-Unglaub
Die Verfasserin des Beitrags, Doritta Kolb-Unglaub ist Vorstandsvorsitzende und Mitbegründerin des Vereins colorido e.V.. Sie setzt sich gemeinsam mit ihrem Mann Steffen Unglaub im Sächsischen Plauen für eine tolerante Gesellschaft ein, in der demokratische Grundwerte akzeptiert sind und Unterschiedlichkeiten ohne Angst gelebt werden können. Das erfordert in Plauen nicht nur große Courage, sondern durchaus auch Mut, denn die große Kreisstadt ist für Aufmärsche von Neo Nazis und gewalttätigen Rechtsextremen bekannt. So wurde die 62-jährige Sozialpädagogin Doritta Kolb-Unglaub für ihr Engagement bereits von Jugendlichen der sogenannten „Vogtlandrevolte“ bedroht, von Neonazis beleidigt und angefeindet.
Bei der Bundestagswahl 2025 ging der Sächsische Wahlkreis Vogtlandkreis mit 40,6 Prozent der Zweitstimmen an die AfD. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand die CDU mit 21,6 Prozent und das BSW mit 11,1 Prozent. Bei den U18-Wahlen haben im Vogtlandkreis sogar 54 Prozent der Jugendlichen für die AfD gestimmt. Im Jahr 2024 hat sich in Plauen zudem die Zahl der rechtsextremen Straftaten im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Auch die rechtsextreme und neonazistische Kleinpartei „Der III. Weg“ ist in Plauen aktiv.
BRASS GEGEN HASS
… oder wenn man nicht so schön „brassig“ musizieren kann, ruft man einfach laut: Ich habe so einen Brass auf diesen Hass. Das passt dann auch und macht Luft. Was war das für ein großartiges Festival – Konzerte voller Lebensfreude. Ausgelassenheit gepaart mit Tiefgang und wichtigen Botschaften. Die Stimmung war großartig, die Luft heiß und flirrend. Den Organisierenden zollen wir großen Respekt. Wo andere einem Mainstream folgen, gab es hier klare Botschaften. Dieser Funke sprang auch auf das Publikum über!


„…Mit Musik kann man viel erreichen. Da liegen Gefühle drin. Da zeigt sich ein Lächeln im Gesicht und die Gefühle bekommen Flügel!“
„Und das kann helfen in Anbetracht der Lage im Land, in der Welt.“

Das macht Mut und den brauchen wir jede Sekunde, jede Stunde, jeden Tag.
Wir müssen noch mehr werden! Wir brauchen Bewegung! Denn…unsere Umgebung mutet an wie eine Real-Satire (anders kann man es nicht beschreiben, obwohl es mehr als bitterer Ernst ist) im Großen und Kleinen – weltpolitisch und kommunal. Man kann es manchmal kaum mehr fassen. Bomben fliegen, Völkerrecht und Menschenwürde werden getreten, neurechte Bewegungen erstarken und polarisieren die Menschen und lassen manchen in Angst und Ohnmacht verfallen. Verständlich die Frage: Wo läuft das gerade hin? „Migranten raus!“, brüllen die Neonazis schon so viele Jahre laut im Land herum – kein neues Phänomen. Jetzt hat es aber den politischen Mainstream erreicht, man folgt der extremen Rechten, natürlich in eigener Sache. Und mit Krokodilstränen.
Als Reaktion auf erstarkende neurechte Bewegungen, zunehmenden Rassismus und Ausgrenzung Andersdenkender in ganz Europa, unterstützen mittlerweile weltweit unzählige Musiker*innen zivilen Widerstand auf den Straßen. Politisch engagiert, laut, bunt und unverstärkt kämpfen sie friedlich für eine bessere Welt – mit vielen für viele! Diese Bands spielen akustisch und mobil auf der Straße, ohne Eintritt, Bühne oder Verstärker mitten im Publikum und laden alle zur Teilhabe ein.

Sie engagieren sich für Menschenrechte, Klimaschutz, Inklusion und Chancengleichheit. Oft an der Seite von Gewerkschaften, Initiativen und NGOs im Rahmen von politischen Protesten, aber auch mit Workshops an Schulen, Bildungs- und Sozialeinrichtungen aller Art.
Erfahrungen unserer Nachbarn, Wissensaustausch und gegenseitige Unterstützung
Wir durften als colorido e. V. helfend bei der BRAZZCALATION 2025 dabei sein und den musikalischen Umzug in der Dresdener Neustadt mit unserem „geschmückten“ Auto anführen. Es gab viel Zuspruch der teilweise überraschten Zuschauer*innen im Viertel. Insgesamt liefen drei große Straßenumzüge in Dresden mit den Streetbands – Dresden-Johannstadt, Dresden-Neustadt und Dresden-Pieschen.

In der Dresdener Neustadt zogen in einer Lawine aus Blech die Bands Brazzbanditen, Street Noise Orchestra, Banda Basaglia durch die Straßen. Wir hatten mehrere Stopps eingebaut, wo Menschen zu Wort kamen, die sich antifaschistisch und vor allem für die Würde des Menschen einsetzen.



Besonders berührten die Berichte aus dem sächsischen ländlichen Raum. Das wurde uns widergespiegelt von der Brassband aus Innsbruck. Da war der Austausch „über den Tellerrand“ angekommen. Das hat uns auch einmal mehr gezeigt, dass der Beginn der OST-ACHSE genau richtig ist. Wir alle brauchen die Erfahrungen unserer Nachbarn, den Wissensaustausch, die gegenseitige Unterstützung.
Die BRAZZCALATION 2025 brachte den politischen Streetbrass nach Dresden! Mit dabei waren Bands aus Frankreich, Italien, Österreich und Deutschland. Das Festival wird noch lange in Erinnerung bleiben… und in unseren Herzen sowieso! Wenn wir jetzt still bleiben, akzeptieren, beugen und fügen wir uns – dann werden wir auf der ganzen Linie verlieren. LAUT sein, sich einmischen, mitgestalten und BRASS auf den HASS – Unterschiede sind die Lösung aller Probleme!
Wer war bei der BRAZZCALATION 2025 dabei?
- Titubanda aus Rom
- Fanfar’Ov aus Montpellier
- Masala Brass Kollektiv aus Graz
- Street Noise Orchestra aus Innsbruck
- Brazzbanditen aus Leipzig
- Banda Comunale aus Dresden
- Banda Basaglia aus Neapel
- Fiatelle Blaskapelle aus Dresden
